Grüner Veltliner – ein Opfer des Klimawandels?

Der Klimawandel wirkt sich auf die globalen Durchschnittstemperaturen aus. Er verursacht weltweit Gletscherschmelzen, Stürme oder Trockenheit. Die steigenden Temperaturen beeinflussen die Flora und Fauna und lösen in unseren Breiten ebenfalls weitreichende Veränderungen aus.

Etliche dieser regionalen Auswirkungen betreffen die Winzer – und damit auch die Weingenießer. Nach der Einschätzung österreichischer Winzer sind wichtige traditionelle Weißweinsorten betroffen. Das gilt vor allem für den Grünen Veltliner, den bekanntesten Weißwein Österreichs.

Die wichtigste Rebsorte Österreichs gedeiht nicht mehr so gut wie bisher

Der Grüne Veltliner ist für seine Frische und für sein feines Aroma bekannt. Mehr als ein Drittel der österreichischen Weinanbauflächen, vor allem in Niederösterreich, ist mit diesen Reben bepflanzt. Jährlich werden etwa 2,5 Millionen Hektoliter Wein produziert.

Den überwiegenden Teil davon genießen die Österreicher selber. Aber auch als Exportgut nimmt der edle Tropfen einen hohen Stellenwert ein. Vor allem auf deutschen Weinkarten ist der Grüne Veltliner häufig zu finden. Knapp 53 Millionen Liter flossen im Jahr 2018 in den Export, mit einem Wert von 170 Millionen Euro.

Wie wirkt sich der Klimawandel auf den Wein aus?

Von höheren Temperaturen sind sowohl der Austrieb, als auch die Blüte und die Reife der Reben betroffen. Mehr Wärme bedeutet mehr Zucker- und mehr Alkoholgehalt in den Trauben. Dadurch können die Säurestandards nicht mehr erreicht werden, die typischen Aromen im Wein verändern sich.

Wie Josef Eitzinger, Klimaforscher an der Universität für Bodenkultur in Wien feststellt, kommen dadurch hauptsächlich die Erzeuger des Grünen Veltliner unter Druck.

Die Politiker müssten rasch handeln, um die Erwärmung aufzuhalten

Der Klimawandel ist mittlerweile auch in Österreich verstärkt Thema in der Politik. Effektive und rasche Maßnahmen sind nötig, damit die globale Erwärmung gestoppt werden kann. Empfindliche Schäden im Weinbau und in der Landwirtschaft, die nach den vergangenen Hitzesommern entstanden sind, haben ein Umdenken ausgelöst.

Niederösterreich – Von der Weißweinregion zum Rotweinland?

Klimaforscher befürchten, dass sich das sogenannte Weinviertel, das als Haupt-Weinanbaugebiet Niederösterreichs bekannt ist, im Lauf der nächsten zwei Jahrzehnte zu einem Gebiet entwickelt, in dem überwiegend Rotweine erzeugt werden. Willi Bründlmayer, einer der bekanntesten österreichischen Winzer, bezeichnet diese Entwicklung als katastrophal.

Falls im Weinviertel demnächst kein Grüner Veltliner mehr wachse, fehle ein typisches Stück Österreich und „ein Eck Identität“, so der Winzer. Laut Bründlmayer lässt sich die Erderwärmung bereits an den Reben ablesen.

In Österreich stieg die Durchschnittstemperatur seit 1880 um beinahe zwei Grad, weltweit waren es 0,9 Grad. Die Trauben des Grünen Veltliner könne man heute um etwa vier Wochen früher ernten als noch vor ein paar Jahrzehnten.

In den Weingärten, die 70 km nordwestlich von Wien auf den Hügeln bei Langenlois angelegt sind, wächst die Traube bis heute. Verläuft jedoch die Erwärmung weiterhin so ungebremst, ist wohl abzusehen, dass der Grüne Veltliner dort bald Geschichte sein wird.

Rotweinreben vertragen mehr Wärme und könnten den Weißwein ablösen

In wärmeren Lagen, in denen Weißweine nicht mehr so gut gedeihen, beginnen Winzer bereits, auf die hitzeresistenteren Rotweinsorten umzusteigen. Allerdings ist eine Umstellung der Sorten nicht ganz einfach.

Ein Weinberg besteht als langlebige Kultur etwa 40 bis 50 Jahre lang. Mittelfristig überlegen etliche Weinbauern, sich umzuorientieren. Es kann also durchaus sein, dass auf lange Sicht der Grüne Veltliner auf den Weinkarten und Getränkekarten fehlen wird.

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